Von Legenden zu sprechen hat ja immer etwas schwülstiges und manchmal auch aufgesetztes. Im Falle von Andrew Weatherall sei das verziehen. Der Mann ist eine lebende solche und für allerlei Phänomene der jüngsten Popgeschichte fast im Alleingang verantwortlich. Man denke nur an Indie-Dance und die frühen Neunziger. Nachdem er sich auf den berüchtigten Feldern vor den Toren Londons seine Sporen als DJ mit Acid House verdiente und Mitherausgeber des anrüchigen Boy’s Own Fanzine war, bastelte er aus St. Etiennes „Only Love Can Break Your Heart“ einen unvergessenen Balearic-Klassiker, bescherte Primal Scream mit „Screamadelica“ 1991 das Album ihrer Karriere und brachte auch den letzten Rocker zum Tanzen. Danach kümmerte Weatherall sich erst mal um seine eigenen Angelegenheiten. Projekte wie Blood Sugar, Sabres Of Paradise, sein Label Rotters Golf Club oder das kürzlich wiederbelebte Two Lone Swordsmen (u.a. mit einem fabelhaften Joy Divison-like Remix für Villalobos „Dexter“) sprechen Bände.
Die zugehörigen Clubnächte wie das hedonistische und gleichzeitig jesuitische Sabresonic auch. Weatherall sagte in einem Interview mal, dass er sich nicht mal mehr dran erinnern könne, welche genaue Adresse dieser Club hatte, weil er zu dieser Zeit so sehr darin, ähm, aufging.
Immer zwischen Cutting Edge, dem Clubboden und einer schier zügellosen Experimentierfreude hin- und hergerissen, ist Andrew Weatherall der Prototyp des sich ständig erneuernden Produzenten und DJs. Seine Sets pendeln zwischen Dub, Electro, Techno, House und allem was dazwischen passt. Perfekt ineinander verwoben ohne störende Brüche oder Stolperfallen. Oder wie ein Londoner Clubkid es mal treffend ausdrückte: „Andrew Weatherall was and is the motherfuckin’ man!“

Location

Robert Johnson
Nordring 131
Offenbach am Main, Duitsland

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